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descriptionGrafik: Gehirn
Zu Epilepsie bestehen viele Missverständnisse und Vorurteile. Dabei ist Epilepsie eine organische Erkrankung, die nicht mit einer kranken Psyche verbunden ist.
descriptionEEG-Messung
Typische Kurven der Hirnströme zeigen im EEG auch in anfallsfreier Zeit, ob eine Epilepsie vorliegt. Andere Diagnosemöglichkeiten sind MRT und Blutuntersuchungen.
descriptionTablettenbox
Wenn Medikamente nicht ausreichend greifen, können Operation und gezielte Nervenstimulation die Übererregbarkeit der Gehirnnerven dämpfen.
descriptionKind mit Luftballons
Fieber, Wut oder Epilepsie – was ist die Ursache für einen Krampfanfall bei Kindern? Ist tatsächlich Epilepsie der Grund, helfen Diät und Medikamente.
descriptionVolleyball-Spiel
Epilepsie muss die Lebensqualität nicht einschränken. Die richtige Medikation macht die meisten Berufe, Hobbys und auch Schwangerschaft möglich.
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Ein (fast) normales Leben führen

Das Leben geht weiter – auch mit Epilepsie. Heute können die meisten Menschen mit dieser Diagnose ein Leben führen wie alle anderen: arbeiten, die Freizeit genießen, Hobbys nachgehen, Auto fahren und natürlich – Liebe leben.

Im Überblick



In Deutschland sind die meisten Menschen mit Epilepsie heute durch eine gute und sehr gute Behandlung anfallsfrei. Für ihre Mitmenschen ist daher die Erkrankung meist unsichtbar beziehungsweise sie wissen gar nichts davon. Trotzdem haben Menschen mit Epilepsie mit erheblichen Vorurteilen zu kämpfen, die sich in vielen Bereichen ihres Alltags auswirken können. Ein solcher Bereich ist der von Liebe und Sexualität – und für viele stellt sich noch immer die Frage:
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Sex und Epilepsie – geht das überhaupt?

Von Epilepsie Betroffene sind sich häufig unsicher, ob Sex gut für sie sei. Denn hartnäckig halten sich Gerüchte, dass Sex das Risiko von Anfällen erhöht oder die Epilepsie verschlimmert. Für beides gibt es keinen Beleg! Und warum auch: Sex – vor allem in einer liebevollen Partnerschaft – kann ein wichtiger Beitrag zu Wohlbefinden und seelischer Ausgeglichenheit sein und sich positiv auf das Anfallsgeschehen auswirken.

Auch eine Frage der Einstellung
Verschiedene Untersuchungen weisen darauf hin, dass Probleme mit der Sexualität eher durch die Einstellung zur Epilepsie verursacht werden als durch die Krankheit selbst . Oft ist dieser Zusammenhang den Betroffenen nicht bewusst, und sie reagieren mit Rückzug, sind schüchtern, trauen sich nichts zu und sind ängstlich. Die Erfahrung manchmal schon Jahre zurückliegender Anfälle trübt das eigene Körperbild, sodass Frauen und Männer mit Epilepsie sich leicht in ihrer Weiblichkeit beziehungsweise Männlichkeit beeinträchtigt fühlen. Scham verhindert, dass offen über die Krankheit gesprochen wird. Trotz des Wunschs nach Nähe, wird diese Nähe gerade vermieden. Der Mangel an Nähe verhindert, dass positive Erfahrungen mit Sexualität gemacht werden können, was sich wiederum negativ auf das eigene Selbstbild auswirkt. Damit es nicht zu diesem Teufelskreis kommt, ist vertrauensvolle Offenheit in der Partnerschaft – auch wenn sie gerade erst beginnt – sehr wichtig. Dabei die Unterstützung durch einen erfahrenen Psychologen oder Psychotherapeuten zu nutzen, ist eine Entscheidung, die auch viele gesunde Paare ganz selbstverständlich treffen.
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Mutterschaft und Epilepsie

Viele Männer und Frauen mit Epilepsie sind glückliche Eltern. Für Frauen stellt sich die Frage nach einem Kind jedoch wegen Schwangerschaft, Geburt, Stillzeit und dem sehr engen körperlichen Kontakt mit dem Neugeborenen in ganz anderer Weise als bei Männern mit der Diagnose Epilepsie.

Idealerweise sollte eine Schwangerschaft gut geplant sein. Noch bevor zum Beispiel Verhütungsmaßnahmen beendet werden, sollte ein ausführliches Gespräch mit dem behandelnden Neurologen stattfinden. Das ist nicht nur nötig, weil die Medikation unter Umständen verändert werden muss, sondern auch, um sich über eventuelle Risiken und Gefährdungen auszutauschen. Auch Beratungsstellen wie pro familia zum Beispiel oder Selbsthilfegruppen sind eine Unterstützung, und das nicht nur in Fragen von Familienplanung und Schwangerschaft.

Übrigens: Bei der Epilepsie handelt es sich nicht um eine Erbkrankheit. Allenfalls die Veranlagung zur Ausbildung einer Epilepsie kann erblich sein, aber eine Veranlagung ist noch keine Epilepsie.

Medikamente auch in der Schwangerschaft?
Ja: Wenn eine Epilepsie medikamentös behandelt werden muss, dürfen die Medikamente auch in der Schwangerschaft auf keinen Fall abgesetzt werden, um die Gesundheit von Mutter und Kindnicht in Gefahr zu bringen. Natürlich wird der Arzt versuchen, ein Medikament zu finden, das in möglichst geringer Dosis Anfallsfreiheit und so wenig Nebenwirkungen wie möglich gewährleistet. Dabei wird er auch das Medikament mit dem geringsten Risiko für das Kind auswählen, da einige Antikonvulsiva das Ungeborene schädigen können. Anfälle in der Schwangerschaft scheinen nach der Mehrzahl der bisherigen Beobachtungen dem Ungeborenen nicht zu beeinträchtigen, wenn sie nicht sehr lange dauern und die Mutter sich dabei keine schweren Verletzungen zuzieht.

Geburtsverlauf
Die Sorge, mit Problemen während der Geburt kämpfen zu müssen, ist in aller Regel unbegründet. Meist verläuft die Entbindung bei Müttern mit Epilepsie nicht schwieriger als bei gesunden Frauen. Wie für alle schwangeren Frauen – und Paare – gilt: Eine gute Geburtsvorbereitung ist die beste Grundlage, einer Geburt entspannt entgegenzusehen. Arzt und Hebamme sollten darüber informiert sein, dass bei der Mutter Epilepsie vorliegt und welche Medikamente sie nimmt. Weil jede Geburt sich hinziehen kann, sollten Frauen mit Epilepsie unbedingt daran denken, ihre Medikamente mit in den Kreissaal zu nehmen.

Kann ich stillen?
Jede stillende Mutter erlebt es, und inzwischen ist es auch wissenschaftlich bewiesen: Stillen fördert die Beziehung zwischen Mutter und Kind. Auch Frauen mit Epilepsie können grundsätzlich stillen – selbst dann, wenn sie Medikamente einnehmen. Dann ist Stillen sogar besonders gut für das Baby. Denn wenn es sich im Mutterleib sozusagen an die Medikamente „gewöhnt“ hat, können nach der Geburt regelrechte Entzugserscheinungen auftreten, sollte das Kind nicht gestillt werden. Es schreit dann viel, ist unruhiger als andere Babys und zittert oder zuckt eventuell manchmal. Wenn nicht gestillt wird, kann dieser Zustand ein paar Wochen andauern. Durch Stillen bekommt das Baby jedoch mit der Muttermilch noch ein kleines bisschen der Medikamente mit, und die Entzugserscheinungen lassen nach.
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Empfängnisverhütung

Bei Frauen mit Epilepsie kommt es weitaus häufiger zu Schwangerschaftsabbrüchen als bei gesunden Frauen. Ein naheliegender Grund dafür könnte sein, dass eine besonders wirksame und häufig angewendete Verhütungsmethode, die Antibabypille, nicht bei allen Frauen mit Epilepsie einen sicheren Empfängnisschutz gewährleistet. Nicht selten werden Kinder von epilepsiekranken Frauen trotz Einnahme der Pille gezeugt. Grund dafür könnte sein, dass einige Antikonvulsiva Wechselwirkungen mit Kontrazeptiva (Antibabypillen) eingehen und deren Wirksamkeit beeinträchtigen. Der Gynäkologe hilft dann die richtige Pille auszusuchen.

Ist jede Antibabypille geeignet?
Moderne Antibabypillen sind besonderes verträglich, weil sie in ihrer Hormondosierung niedriger sind als frühere Pillen. Zusammen mit bestimmten Antikonvulsiva, den sogenannten enzyminduzierenden Antikonvulsiva, eingenommen, können jedoch die Wirkungen der Geschlechtshormone, die in den Antibabypillen enthalten sind, verändert werden, so dass kein ausreichender Empfängnisschutz mehr gesichert ist. Die zusätzliche Anwendung von Diaphragma, Spirale oder Kondom kann den Empfängnisschutz sicherer machen.

Keinerlei Bedenken im Bezug auf Nebenwirkungen gibt es natürlich bei den mechanischen Verhütungsmethoden wie Diaphragma und Kondom. Gleiches gilt für die Basaltemperaturmessung – wenn sie richtig angewendet wird. Viele Frauenärztinnen und -ärzte machen jedoch die Erfahrung, dass die Messung der Basaltemperatur eine präzise Kenntnis des eigenen Monatszyklus voraussetzt und die Fehlermöglichkeiten deswegen recht hoch sind.
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Machen Antikonvulsiva impotent?

Ein Nachlassen der sexuellen Lust kann viele Ursachen haben – und nicht alle gehen auf das Konto der Medikamente. Manche von ihnen können allerdings eine dämpfende Wirkung haben. Auch die Epilepsie selbst kann für den Mangel an Libido verantwortlich sein, oder die Grunderkrankung, die für die Epilepsie verantwortlich ist. Ansonsten stehen hinter nachlassender Potenz – wie bei Gesunden auch – meist Probleme in der Partnerschaft oder Überlastung und Stress im Beruf.
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Mehr Lebensqualität

Wie bei vielen Krankheiten gibt es auch bei Epilepsie eine Reihe von Dingen, die man zusätzlich tun kann, um die Behandlungsergebnisse zu verbessern und die Lebensqualität zu erhöhen. Die wichtigsten sind hier aufgeführt.

Was ist bei Sport zu beachten?

Prinzipiell gilt: Fast jede Sportart ist unbedenklich, auch bei Epilepsie. Und die Ausnahmen?
  • nicht zu schnell (bei Motorsport),
  • nicht zu hoch (in die Luft),
  • nicht zu tief (ins Wasser) und
  • nicht allein ins Wasser.
Denn Sportarten wie Tiefseetauchen, Motorsport, Drachenfliegen oder Bergsteigen haben eines gemeinsam: Sie bergen das Risiko eines plötzlichen Kontrollverlusts, der dazu führen kann, dass jemand mit Epilepsie sich und andere in Gefahr bringt.

Am besten in Gesellschaft: Schwimmen und Baden

Menschen mit Epilepsie sollten nicht alleine schwimmen gehen – am besten lässt man sich sogar von jemandem begleiten, der eine Ausbildung als Rettungsschwimmer hat. Denn bei einem Anfall beim Schwimmen kann schnell Wasser in die Atemwege und die Lungen gelangen und zum Ertrinken führen. Übrigens: Aus dem gleichen Grund empfiehlt es sich auch nur zu duschen statt ein Vollbad zu nehmen.

Im Arbeitsleben
Ein Blick auf die Statistik zeigt: Menschen mit Epilepsie fallen nicht häufiger durch Krankheit aus als die Allgemeinbevölkerung. Da bei einem Großteil der Epilepsie-Patienten die Anfälle durch die richtige Medikation aufhören, sind in der Regel auch keine Einschränkungen der Leistungsfähigkeit zu erwarten. Meist findet der Arzt auch geeignete Medikamente, die keine Nebenwirkungen verursachen, die sich negativ auf die Arbeitsfähigkeit auswirken könnten, weil sie zum Beispiel sehr müde machen oder zu Konzentrationsstörungen führen. Allerdings sollte man auch bei der Berufswahl einige Punkte beachten. Grundsätzlich sind Arbeitsplätze mit Eigen- oder Fremdgefährdungspotential ungeeignet. Bei Fragen beraten Neurologen gemeinsam mit Berufsberatern.

Mit Epilepsie Auto fahren
Generell ist davon auszugehen, dass Menschen, die unter epileptischen Anfällen leiden, kein Fahrzeug führen können. Unter bestimmten Voraussetzungen jedoch können auch Menschen mit Epilepsie Auto fahren. Hierzu ist vorab eine Begutachtung bezüglich der Fahrtauglichkeit nötig. Dabei sind die Art der Epilepsie und die Länge der Anfallsfreiheit wichtig. Genauere Informationen erhält man in den „Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahrereignung“ der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST).

Epilepsie und Alkohol – passt das zusammen?
Lange Zeit hielt sich der Vermutung, Alkohol könne Anfälle auslösen. Bis heute ist diese Frage nicht eindeutig geklärt. Es gibt jedoch ein paar gute Gründe, auf Alkohol zu verzichten oder ihn, wenn überhaupt, nur selten und in sehr kleinen Mengen zu genießen:
  • Alkohol beeinträchtigt den Schlaf. Wenn es also nicht der Alkohol selbst ist, der das Risiko für einen Anfall steigert, dann ist es der Schlafmangel. Dass Alkohol müde und benommen macht ändert nichts daran, dass er die Schlafqualität ganz empfindlich stören kann.
  • Bei zu viel Alkohol werden leicht die nötigen Medikamenten vergessen.
  • Alkohol kann Nebenwirkungen verstärken. Zwar scheint mäßiger Alkoholgenuss die Spiegel der meisten Antikonvulsiva im Blut nicht zu verändern, offenbar kann er aber Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit, Doppelsichtigkeit oder Gleichgewichtsstörungen verstärken.
  • Die Einnahme von Medikamenten, die die Aktivität des Gehirns beeinflussen, kann ganz besonders empfindlich für die Wirkung von Alkohol machen, Dann können schon kleine Mengen große Folgen haben.

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Erste Hilfe bei einem Anfall

Prinzipiell gilt: Wenn jemand, egal in welchem Alter, einen Anfall erleidet und nicht bekannt ist, ob der Betreffende Epilepsie hat: Immer den Notarzt rufen. Es liegt ein Notfall vor! Wenn ein bekanntermaßen an Epilepsie Erkrankter einen Anfall hat, gibt es vor allem zwei Grundregeln:
  • Den Betreffenden vor möglichen Verletzungen schützen
  • Nicht in Panik geraten. Ruhig bleiben und besonnen handeln.
Mit folgendem Verhalten helfen Sie bei einem epileptischen Anfall am ehesten:
  • Wenn der Patient das Bewusstsein verliert und die Möglichkeit besteht, ihn bei einem Sturz aufzufangen (wenn er zum Beispiel von einem Stuhl gleitet): Beherzt zupacken und ihn vorsichtig auf den Boden lagern.
  • Keine Gegenstände zwischen die Zähne schieben, um einen Zungenbiss zu verhindern – im Zweifelsfall richtet man damit mehr Schaden als Nutzen an.
  • Wenn der Patient durch die Krämpfe um sich schlägt: Nicht versuchen, ihn festzuhalten – er könnte sich oder den Helfer verletzen. Viel besser ist, alles aus dem Weg zu räumen, woran der Patient sich stoßen oder sonstwie verletzen könnte.
  • Wenn möglich, dem Patienten etwas Weiches unter den Kopf schieben; wenn kein Kissen zur Hand ist, tut es auch die Winterjacke oder die Decke vom Autositz.
  • Die Uhr nicht aus den Augen verlieren – hört der Anfall nach fünf bis zehn Minuten nicht auf, muss der Notarzt und ein Krankentransport gerufen werden.

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Liebespaar
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Eine liebevolle Partnerschaft mit allem, was dazugehört, verbessert die Lebensqualität erheblich. Auch bei Epilepsie.
Schwangere Frau mit Partner
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Auch in der Schwangerschaft muss die Epilepsie-Behandlung fortgesetzt werden. Für die werdende Mutter wichtig sind gute Beratung vom Arzt und einfühlsame Gespräche, die ihr die Angst nehmen und Vertrauen schenken.
Paar im Schwimmbad
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Bewegung im Wasser tut Körper und Geist richtig gut! Damit der Badespaß ungetrübt bleibt, sollten Menschen mit Epilepsie jedoch nicht allein ins Wasser gehen.
Autofahren
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Auto fahren – ob man mit Epilepsie gesetzlich als fahrtüchtig gilt, ist an bestimmte Kriterien gebunden. Nicht in jedem Fall ist es Menschen mit Epilepsie verboten, ein Fahrzeug zu führen.
Anstoßen mit Weingläsern
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Anfall nach Alkoholgenuss? Dafür gibt es keine klaren Indizien. Trotzdem sollten Menschen mit Epilepsie auf Alkohol, auch in Gesellschaft, eher verzichten.
Blaulicht
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Notsituation Anfall: Erst wenn bei einem Menschen, dessen Epilepsie bekannt ist, ein Anfall länger als fünf bis zehn Minuten anhält, muss der Notarzt gerufen werden. Ansonsten gilt: Ruhe bewahren und Panik vermeiden.