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descriptionFrau hält sich den Kopf
Quälende Kopfschmerzen ohne erkennbare Ursache – je nach Ausprägung handelt es sich um Migräne, Spannungskopfschmerzen oder Cluster-Kopfschmerzen.
descriptionGrafik: Gehirn
Wer häufig, heftig oder auch plötzlich Kopfschmerzen bekommt, sollte zum Arzt gehen. Denn von der Diagnose hängt ab, welche Therapie die richtige ist.
descriptionTabletten
Je nach Ausprägung der Beschwerden machen klassische Schmerzmittel, Triptane, aber auch Naturheilmittel den Kopf wieder frei.
descriptionAkupunktur
Nicht passiv leiden, sondern selbst aktiv etwas gegen die Kopfschmerzen tun, fordern Schmerztherapeuten. Sie helfen, eine Lösung zu finden, auch mit Alternativmedizin.
descriptionYoga
Kopfschmerz vorbeugen oder die Anzahl der Attacken reduzieren – Entspannung und ein regelmäßiger Tagesablauf ohne Reizüberflutung helfen dabei.
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Therapien (fast) ohne Pillen

Von den etwa acht Millionen Kopfschmerzgeplagten in Deutschland geht nur rund die Hälfte zu einem Neurologen oder Schmerztherapeuten. Viele Betroffene wissen gar nicht, dass die Medizin heute mehr Lösungsansätze anbietet, als nur Schmerztabletten zu verschreiben – zum Beispiel Entspannungstechniken, Therapien mit elektrischen Impulsen oder Psychotherapie.

Im Überblick



Bis vor Kurzem standen Ärzte Kopfschmerzen eher hilflos gegenüber. Erst in den letzten Jahren konnten Wissenschaftler Licht in die unüberschaubare Menge von Ursachen, Symptomen und Ausprägungen bringen. Sie gewannen wesentliche Erkenntnisse darüber, was im Gehirn während einer Kopfschmerz- oder Migräneattacke vor sich geht. Daraus entwickelten sich neue Medikamente und Therapieansätze, die das Leiden deutlich lindern oder ganz beseitigen können.
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Aktive Rolle für den Patienten

In der modernen Schmerztherapie spielt der Patient eine aktive Rolle. Nicht das „behandelt werden“ zählt, sondern das „eigenverantwortliche Management“ der Krankheit. Dieser Ansatz fordert den Patienten und holt ihn aus der passiven Rolle des Leidenden. So viel Selbstverantwortung für das Befinden gefällt nicht jedem Kopfschmerzgeplagten, der es gewohnt war, betreut, umsorgt und bemitleidet zu werden.

So kann es zum Beispiel sein, dass ein mit der neuesten Forschung vertrauter Mediziner einem molligen Migränepatienten Ausdauersport und eine Diät verordnet, anstatt noch mehr Pillen zu verschreiben. Studien haben nämlich gezeigt, dass eine Verbindung zwischen großem Bauchumfang und Migränehäufigkeit besteht.

Eine gute Kopfschmerztherapie setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen. Im Idealfall kümmern sich Neurologe, Psychologe, Schmerz- und Physiotherapeut um schwere Kopfschmerz- und Migränefälle. Gemeinsam erarbeiten die Spezialisten ein Therapiekonzept mit einem Medikamentenplan und ausführlicher Patienteninformation über die Erkrankung, mit Kursen für Bewältigungsstrategien und in Gesprächskreisen mit anderen Betroffenen. Das geschieht zum Beispiel im Westdeutschen Kopfschmerzzentrum in Essen, wo ein komplexes Behandlungsmodell entwickelt wurde. Ähnlich praktizieren die Kopfschmerzzentren in Berlin, München und Jena sowie eine Reihe von Schmerzambulanzen an anderen (Universitäts-)Kliniken.
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Kopfschmerzmedikamente sind nicht alles

Im Rahmen der gezielten Therapie kann es sein, dass einem Migränepatienten zunächst effektive Medikamente, etwa Triptane, verordnet werden und dazu vielleicht eine Akupunkturbehandlung. Langfristig muss er aber auch seinen Lebensstil verändern, um den Kopfschmerzen zu entgehen oder sie besser bewältigen zu können. Dafür sollte er zum Beispiel Entspannungstechniken oder ganzheitliche Fitnessmethoden wie Yoga oder Tai Chi lernen. Auch die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Biofeedbackverfahrenoder eine Sporttherapie mit Ausdauertraining haben sich als effektive Vorbeugung gegen Kopfschmerzattacken erwiesen. Dabei geht es primär um die Lockerung von Verspannungen – sowohl der verkrampften (Nacken-)Muskeln als auch der gestressten Psyche.

Eine alternative Behandlungsmethode gegen Kopfschmerzen kommt aus der Steckdose: die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS). Leichte Stromimpulse über die Haut wirken auf Nervenfasern, die Schmerzreize ins Gehirn weiterleiten. Außerdem sollen die elektrischen Impulse mehr körpereigene Botenstoffe freisetzen, die Schmerzen unterdrücken.

Wenn die Psyche den Kopf schmerzen lässt
Manche Kopfschmerz- und Migränepatienten profitieren von einer Psychotherapie noch mehr als von körperlichen Entspannungsübungen. Wenn der Schmerz und die Angst davor die Gedanken bestimmen, kann eine Verhaltenstherapie aus dem psychischen Teufelskreis herausführen. Dadurch lassen dann auch die Kopfschmerzen nach oder werden zumindest als weniger schlimm empfunden.
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Fragwürdiger Eingriff: die Kopfschmerz-Operation

Wer Kopfweh selbst nur in leichter Ausprägung kennt und selten erlebt, kann sich die Qualen vieler Kopfschmerzgeplagter kaum vorstellen. Manche lassen sich dann sogar auf eine umstrittene, wissenschaftlich nicht bewiesene und auch nicht plausible Operation ein, bei der ein kleiner Muskel (M. corrugator) über der Nasenwurzel durchtrennt wird. Dadurch verschwindet nicht nur die berüchtigte Zornesfalte zwischen den Augenbrauen, sondern sie soll auch die Migräne lindern. Eine Veränderung des Mienenspiels muss dabei oft in Kauf genommen werden. Die meisten Kopfschmerzexperten lehnen die „Anti-Migräne-OP“ jedoch ab: Weder sei der Zusammenhang von Stirnmuskeln und Migräne erwiesen noch der Erfolg des kostspieligen Eingriffs, der in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen wird.

Zurzeit wird vor allem für Patienten mit Clusterkopfschmerzen ein neues Verfahren der Nervenstimulation untersucht. Dabei werden operativ Elektroden durch die Nackenmuskulatur hindurch an den Hinterhauptsnerven gebracht, die dort über Impulse die Nerven stimulieren sollen.

Auch die tiefe Hirnstimulation befindet sich noch in Erprobung: Dabei werden elektrische Sonden tief im Hirn implantiert und können – einem Herzschrittmacher sehr ähnlich – über einen Impulsgeber erregt werden.

Diese Verfahren sind zurzeit den Patienten mit schweren, nicht anders zu therapierenden Cluster- und gelegentlich anderen Kopfschmerzarten vorbehalten. Es liegen noch keine ausreichenden Langzeitergebnisse und Erfahrungen vor.
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Yoga
Entspannung ist eine besonders erfolgreiche Methode, Kopfschmerzen auf Dauer loszuwerden. Professionelle Anleitung und regelmäßiges Üben sind allerdings Voraussetzungen dafür, dass die Entspannungsübungen auch wirklich helfen.
Patientin bei Therapiesitzung
Kopfschmerzen und die Angst vor ihnen können sich gegenseitig ständig aufs Neue wieder herstellen – eine Verhaltenstherapie hilft, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.
Operationsbesteck
Intraoperative Nervenstimulation oder mit einem Implantat intervallartig stimulieren – mehrere Operationsmöglichkeiten gelten als neue Möglichkeiten, wenn der Kopfschmerz auf keine der gängigen Behandlungen anspricht.